I am Henning

Montag, 12. Oktober 2015

Das neue Nikon AF-S DX Zoom-Nikkor 16-80 f/2,8-4E ED VR

Mit meinem derzeitigen Sigma AF 17-70mm f/2,8-4 DC OS HSM Contemporary bin ich eigentlich sehr zufrieden. Es ist sehr scharf, kompakt und nicht allzu schwer. Wie schon dessen alte Version, ist es ein super Immerdrauf. Es ist nochmals schärfer als das schon gute Sigma AF 17-50mm f/2,8 EX DC OS HSM, das ich in Zukunft deswegen wohl meistens innerhalb von Gebäuden oder anderen lichtschwächeren Situationen nutzen werde. Immerhin hat es die durchgehende Offenblende von 2,8, die auch schon brauchbar scharfe Fotos liefert. Im Moment steckt das 17-70 als Immerdrauf auf meiner D3300, das 17-50 auf der D7100.

Trotzdem hat mich neulich das nagelneue Nikon AF-S DX Nikkor 16-80 f/2,8-4E ED VR gereizt. Schließlich bietet es an beiden Enden etwas mehr Brennweite, hat die Dichtmanschette am Bajonett und Nanovergütung. Und es ist als Nikkor natürlich voll kompatibel zu meinen Nikon, wo die Sigmas den Scroll Bug haben. Das 16-80 erinnerte mich auf Bildern im Internet optisch spontan an mein ehemaliges Nikon AF-S 24-85mm f/3,5-4,5G ED VR (bis auf den Goldring des 16-80mm).

Im Internet bestellte ich mir blind ein Exemplar, ohne es vorher in einem Fotoladen zu begutachten. Als es ankam war ich etwas überrascht wegen seinen kompakten Ausmaßen. Es hat wirklich eher die Größe des 24-85mm VR. Die Verarbeitung samt Materialien kam diesem gleichfalls sehr nahe, wenn sie nicht sogar gleich sind. Das überraschte mich durchaus etwas negativ, denn ein Objektiv mit dem Goldring der besseren Nikon Linsen hatte ich doch etwas hochwertiger erwartet. Nicht, daß es schlecht verarbeitet ist, aber halt auf dem "normalen" Niveau des 24-85mm VR. 
Da ich teure 1179,- Euro bezahlt hatte und das Objektiv den Goldring und Nanobeschichtung hat, ging ich wenigstens von deutlich besseren Abbildungseigenschaften aus und wurde hier dann doch wieder etwas enttäuscht.

Das Glas ist leider bloß am langen Ende einen Ticken schärfer als mein sehr sehr viel günstigeres Sigma 17-70mm f/2,8-4 DC OS HSM Contemporary. Leider war kein Wetter, es war dunkel und regnete. So beschränkte ich mich auf Blitzfotos in der Wohnung. Schon hier aber wurde mir klar, daß das teure Nikkor wirklich bloß am langen Ende, also bei 80mm etwas die Nase vorn hatte. Das auch nur in der 100% Ansicht, wo man dann ein wenig mehr Details erkennen konnte. Die übrigen Brennweitenbereiche waren bei beiden kaum zu unterscheiden und bei 17mm hat das Sigma dann sehr deutlich weniger verzeichnet als das Nikkor bei seinen 16mm. Da bildete es wirklich deutlich und störend tonnenförmig ab. Ich war so enttäuscht, daß ich es einpackte und zurücksandte. Sicherlich hätte ich besseres Wetter abwarten können, hatte mir aber selbst dann kaum soviel besseres erhofft, das den horrenden, dreifachen Preis gerechtfertigt hätte. 

Wie erwähnt ist es absolut kein schlechtes Glas, am langen Ende ein wenig besser als mein sehr gutes Sigma. Aber für solch geringen optischen Mehrwert möchte ich einfach nicht das viele Geld ausgeben. Ich verfahre jetzt folgendermaßen. Ich warte ab, bis es günstig auf dem Gebrauchtmarkt erhältlich ist und vergleiche es dann erneut gegen das Sigma. Dann auch bei gutem Licht / besserem Wetter.

Hier jetzt die üblichen Fotos des Objektives und die Unterschiede zum Sigma.

Im üblichen Goldkarton kommt das Objektiv, samt einer sehr großen Gegenlichtblende:


Bis auf den Goldring und das große "N" (Nanovergütung), ist es dem 24-85mm VR sehr ähnlich. Ohne, daß ich an dem Tag mangels 24-85 vergleichen konnte:


Vorne fällt auf, daß es um das Glas herum keinerlei Beschriftung gibt:


Hinten das eigentlich übliche Bild, mitsamt dezenter Gummimanschette um das Bajonett:


Schaut man genauer hin bemerkt man etwas, was schon in der Bezeichnung angemerkt wird, aber auf den ersten Blick untergeht. Das Glas hat keinen Blendenhebel mehr. Es ist ein E - Objektiv und hat als solches eine elektronische Blendensteuerung. Das ist einerseits erfreulich, denn es fallen mechanische Bauteile weg. Andererseits wird die Kompatibilität aber auch eingeschränkt, denn steuern können das erst Kameras ab Baujahr 2007. Besitzer einer D200, D80 oder noch älterer DX Kameras schauen etwa in die Röhre und können das Teil leider bloß offenblendig verwenden.

Hier der Vergleich mit dem Sigma und im dritten Foto der Blendenhebel des Sigma:




Im direkten Vergleich mit dem kompakten Sigma 17-70mm Contemporary sieht man, daß das Nikkor jetzt nicht so viel größer ist und wie erwähnt in etwa die Ausmaße des 24-85mm VR besitzt. Einzig die sehr voluminöse und gewöhnungsbedürftige Geli macht es dann größer als üblich:




Vor allem auch von vorne, finde ich die Geli wenig gelungen, sogar eher ausgesprochen Hässlich. Keine Ahnung warum man das jetzt bei Nikon unbedingt so machen mußte, wo bisher die übliche Tulpenform sogar bei deutlich weiteren Superweitwinkelzooms ausreichte. Ich denke, da wird der eine oder andere doch mal mit der angesetzten Geli irgendwo anecken:




Neu ist hierbei auch, daß die Gegenlichtblende zum Abnehmen an einem recht stabil wirkenden Knopf entriegelt werden muß:



Das war es im Großen und Ganzen schon. Der AF ist etwas langsamer als beim Sigma und leicht zirpend vernehmbar wo er beim Sigma nahezu unhörbar ist. Dafür hat der Nikon Antrieb eine Rutschkupplung für Direktzugriff, wo man beim Sigma nicht einfach an den Fokusring fassen kann. 
Die Stabis scheinen auf gleichem Niveau zu funktionieren. Beide sind leise und effektiv.

Die Unterschiede in den Abbildungsleistungen waren sehr gering, weshalb ich bloß zwei "Vergleichsfotos" zeige, auf denen es einen kaum merklichen Unterschied der 80mm des Nikkores zu den 70mm des Sigma gab. Das Nikkor zeigt hier offenblendig minimal mehr Details, aber es hat minimalste blaue CA da, wo sich das Blitzlicht etwas spiegelt. 

Zuerst das Nikkor, darunter ein Ausschnitt. Jeweils bei 80mm und f/4 Offenblende. In M geblitzt bei ISO 100 und 1/60sek. Freihändig mit Stabi:





Hier bei absolut gleichen Bedingungen das Sigma:




Leicht abgeblendet gibt es dann schon keinerlei Unterschiede mehr in der jeweiligen Abbildungsleistung, weshalb ich mir das Posten der weiteren Fotos hier spare. Das Sigma wird bei absolut jeder Brennweite genauso detailreich und das Nikkor verliert die winzigen CA.
Bei den anderen Brennweitenbereichen gab es also eher kaum noch Unterschiede, bei 16mm verzeichnete das Nikkor aber deutlich mehr tonnenförmig als das Sigma bei dessen 17mm. Bei 20mm war beim Nikkor aber schon wieder alles in Ordnung.

Wie erwähnt war mir das auf diesen kurzen ersten Blick den dreifachen Neupreis des Nikkores nicht wert und ich habe es zurückgeschickt.
Ich halte das 16-80mm nach diesem kurzen Vergleich für ziemlich überteuert. Einen Neupreis von etwa 600 - 650,- Euro würde ich akzeptieren. Schließlich bekommt man dafür volle Kompatibilität (zu DX Nikons ab Baujahr 2007, wegen der elektronischen Blendensteuerung) und am wenig längeren Ende, offenblendig minimal mehr Schärfe. Vignettierungen, Farben etc. konnte ich wegen des Wetters nicht überprüfen, bin da aber auch vom Sigma durchaus verwöhnt. Das werde ich evtl. nachholen, sobald das Glas zu akzeptablen Preisen gebraucht erhältlich ist. Das dürfte sich jedoch wohl mindestens bis Ende nächsten Jahres hinziehen, wenn nicht noch länger.
Wer es haben möchte, sollte wenigstens warten bis sich die Neupreise auf niedrigerem Niveau eingependelt haben. Mittlerweiles ist es für um 1060,- Euro zu haben, was sich aber aller erfahrung nach noch deutlich nach bunten orientieren wird.

Ciao