I am Henning

Samstag, 28. Februar 2015

AGFA Selectronic 3

Hier nochmal eine Kamera aus meiner Jugend oder eher Twen-Zeit. 

Etwas blamabel für die Weltfirma AGFA, hatte dieses internationale deutsche Unternehmen in den 70'ern nichts zum lustig weiterboomenden Spiegelreflexmarkt beizutragen. Früher mit allerlei einfachen Mittelformatkameras und Kleinbild-Spiegelreflex vertreten und auch stark im Kleinbildsektor oder rege und innovativ im Halb- und Pocketformat aktiv, gab es in den 70'ern leider keine neuen Spiegelreflexkameras. AGFA verkaufte überwiegend Kompaktkameras, die sich hauptsächlich durch Features unterschieden und forcierte die Pocketkameras später sehr mit der unnachahmlichen "Ritsch Ratsch Klick". 
Der Spiegelreflexmarkt boomte jedoch immer noch und auch AGFA wollte davon profitieren. Man beschloß allerdings Kosten zu sparen und sich, wenigstens äußerlich selbst designte, Kameras zuliefern zu lassen. 

Man wandte sich an die Firma Chinon. Bekannt für solide, aber meist doch eher einfachere Kameras, eher einfacher bis mittlerer Verarbeitungsqualität. Aus den Modellen Chinon CM-4, CA-4 und CE-4 wurden ab etwa 1980 die äußerlich recht deutlich veränderten Agfa Selectronic 1, 2 und 3. Erstere bietet keinerlei Automatik, die zweite wenigstens eine Zeitautomatik (aber keinen manuellen Betrieb) und die Selectronic 3 dann schließlich manuellen Betrieb plus Zeitautomatik. Das Gute daran war, daß die Kameras das weit verbreitete Pentax K Bajonett hatten und man so auch viele Objektive anderer Marken oder von Drittherstellern wie Soligor oder Cosina verwenden konnte. 
Das (für AGFA) schlechte war, daß erstens die originalen Chinon schon günstiger waren und es zu allem Überfluß auch noch andere Derivate der drei Modelle gab. So ließ etwa Quelle die gleichen Chinon-Modelle  etwas verändert als Revue AC Kameras herstellen und sogar die normalerweise durch allerhöchste Qualität bekannte schweizerische Marke ALPA ließ die Chinon CE-4 unter eigenem Namen herstellen. AGFA kam auf die Idee die Kameras nur über Agenturen und speziell abgetrennten Bereichen der Kamerahändler zu verkaufen, um Exklusivität vorzutäuschen und die hohen Preise zu rechtfertigen. Das ging schief, die Kundschaft kaufte wohl eher die billigeren Marken, oder wenn teurer, dann auch besser ausgestatte Minolta, Nikon, Olympus und Canon etwa, die auch gleich höhere Verarbeitungsqualität mitbrachten. Das bezieht sich übrigens bloß auf die Haptik, denn all die Chinon, AGFA, Revue und ALPA sind durchaus sehr funktionale Kameras die selbst heute noch zuverlässig arbeiten. 
Wer die AGFA Selectronic sah, war damals oftmals begeistert, denn das futuristische Softdesign mit dem riesigen orangefarbenen Sensorauslöser war optisch schon eine Wucht. Wer aber etwa die Anfassqualität einer Voigtländer VSL, Rollei SL oder Leica R3 erwartete, wurde herbe enttäuscht, es war eben doch bloß einfachere japanische Mittelklasse mit sehr sehr viel Kunststoff. Und es fehlte an vielem, denn es gab weder Spotmessung noch schnellere Zeiten als 1/1000sek. die schon damals bestenfalls Durchschnitt darstellten. Das Ganze war AGFAs letzter und kostspieliger Versuch mit Spiegelreflexkameras etwas zu reißen.

Trotzdem finde ich die drei Kameras und besonders die Selectronic 3 sehr hübsch. Die Belichtungszeiten rund um den auffälligen und riesigen orangefarbenen Sensorauslöser, das große "AGFA" auf dem sehr hübsch designten Prismengehäuse, die abgerundeten Kanten und matte Beschichtung des Bodys, der Schnellspannhebel mit gleicher Form wie bei den weit kleineren Kompaktkameras wie etwa der AGFA Optima Sensor Flash. Das alles hatte was und hat heute einen etwas eigentümlichen, aber nicht uninteressanten Retrolook aus den 80'ern.

Wenn man sich die Kamera einmal genauer anschaut, kann man sie nur mögen oder nicht, dazwischen gibt es wohl nichts. Vorne übrigens der zweistufige und rein elektronische Zeitauslöser mit 5 und 10 Sekunden Vorlauf und rot blinkender Leuchte. Rechts darüber der Abblendhebel zur Überprüfung der Tiefenschärfe. Direkt darunter der Taster zur Bajonettentriegelung. Über dem Schriftzug "Selectronic" schaut ein kleiner Schraubenkopf heraus. Das etwas eigentümliche Teil dient nach vorne geschoben zum Aushebeln des Filmtransports zwecks Mehrfachbelichtung und ist bei allen anderen Marken dieses Modelles als kleiner Schalter vor dem Auslöser ausgeführt. Das Exakta Objektiv ist übrigens Deko, es ist leider defekt:


Hinten ist sie eher unspektakulär, bis auf den eigenwillig geformten Filmmerkhalter. Der Sucher ist normal groß und präsentiert links die Zeiten, die jeweils von einer rot blinkenden LED angezeigt werden. Der recht hübsche Schnellspannhelbel ist leider aus Kunststoff und wirkt etwas labberig:


Von oben ist auch wieder der sehr große Sensorauslöser präsent, der übrigens wirklich deutlich ruhiger auslösen läßt, aber kein wirklicher Sensor, sondern eine Folie über einem Microtaster ist. Links die ISO Einstellung, damals hieß es noch ASA. Vorne rechts vom Auslöser sieht man klein die separate Buchse für einen Drahtauslöser. Das Zeitenrad dient gleichzeitig zum ein und ausschalten. Die Blitzsynchronisation lag bei damals schon etwas lahmen 1/60sec. Und die schnellste Zeit liegt wie gesagt bei 1/1000sec:


Hier sind nochmal Details wie der Zeitauslöser, die Abblendtaste und die etwas merkwürdige Schraube zur Mehrfachbelichtung zu sehen, die dem Ganzen einen technisch-metallischen Touch gibt und eine Wertigkeit vortäuscht, welche die Kamera leider nicht ganz halten kann:


Auf der anderen Seite eine Blitzbuchse, sowie der kleine Taster zur Messwertspeicherung. Ein wichtiges Teilchen, denn selbst einfache Belichtungskorrektur bot diese  äußerlich so modern wirkende Kamera nicht:


Unten dann wenig spektakuläres. Die silberfarbene Abdeckschraube des Batteriefaches, die dankenswerterweise drei noch zuhauf produzierte LR44/SR44 Batterien beherbergt. Ganz rechts die Kontakte für den optionalen Winder und ganz links dessen Zugriff auf  Filmtransport/Verschlußaufzug. In der Mitte das Stativgewinde:


Wie schon erwähnt, ist auf der komfortableren Seite das verbreitete Pentax K Bajonett zu verbuchen. Ganz klarer Vorteil, denn Objektive gab es damals wie heute zuhauf dafür:


Der optinale Winder ist heute sehr selten geworden, aber natürlich würde auch der originale Chinon PW 530 passen. Der AGFA Selectronic/Winder ist aber nicht nur optisch verändert, sondern auch bloß zwischen Einzelbild und Mehrfachaufnahme einstellbar, während der Chinon deutlich mehr bot:




Das Design ist für mich immer noch wirklich sehr schön und einzigartig:



Sehr groß sind teilweise die verschiedenen Systemblitzgeräte von AGFA, wie das AGFATRONIC 253 CS (hier die Kamera mit dem Blitz und dem sehr wertigen Hanimex Weitwinkelobjektiv 28mm f/2,8):


Das Gerät bot allerlei Einstellungen, aber die dort einschaltbare TTL Blitzmessung hatte die Kamera zum Beispiel gar nicht:



Der Reflektor war auf Weitwinkel drehbar:


Ich habe jetzt ein paar mal die nicht ganz so tolle Verarbeitung angedeutet. Das ist aber Jammern auf hohem Niveau. Wer schon viele (auch tolle) Kameras in der Hand hatte ist halt auch irgendwann verwöhnt. Eine Yashica FX-3 super 2000 etwa wurde eigentlich von Cosina hergestellt und macht einen etwas windigeren Eindruck, trotz großen Namens. Die AGFA Selectronics kann man von der Wertigkeit her in die untere Mittelklasse einstufen, von der reinen Funktionalität und Haltbarkeit her aber gehören sie zu den besseren Kameras, was doch sehr für Hersteller Chinon spricht. Die zwei hier gezeigten Modelle laufen wie frisch aus der Fabrik, obwohl um 40 Jahre alt. Die eine müßte bald mal abgedichtet werden, die andere ist selbst da noch gut. 
Wer eine eher einfache analoge Kamera in interessantem Design sucht, ist hier schon gut aufgehoben. Die Kamera gibt keine Rätsel auf und ist kinderleicht zu bedienen. Der Kleinbildsucher ist ausreichend hell und bietet rudimentäre Informationen und Schnittbildindikator samt Mikroprismenring. Der Auslöser ist einzigartig und ausschließlich bei AGFA zu finden, nicht nur bei den drei SLR Kameras. Objektive gibt es noch genug, dank dem weit verbreiteten Bajonett.


Ciao

Donnerstag, 26. Februar 2015

Nikon Nikkor-H.C Auto 50mm f/2

So, hier nochmal was analoges. Schon länger versuchte ich eines dieser wunderschönen Nikkore mit Metallringen für Blende und Fokus günstiger zu ergattern. Soweit ich weiß sind diese eigentlich wohl alle aus der Vor Ai Aera und wären damit an meiner D610 mangels Blendenmitnehmer bloß mit Arbeitsblende verwendbar. Gott sei Dank gab es damals aber die Möglichkeit solche Objektive in modernere Zeiten mitzunehmen und dafür am Blendenring umbauen zu lassen. 

Nochmals kurz zur Verdeutlichung: 

Alle Non oder Pre Ai genannten Objektive haben ausschließlich diese kleinen Metallohren als Blendenmitnehmer, dessen Gegenstück an den allermeisten modernen Kameras aber fehlt. Daher funktionieren diese grundsätzlich zwar tadellos, aber immer nur in jeweils eingestellter Arbeitsblende.

Ai steht für Aperture Index und bedeutet, daß dem Belichtungsystem die größte Blende mitgeteilt wird und sich der Blendenmitnehmer als Ausbuchtung am Blendenring befindet. Die Hasenohren wurden dafür nicht mehr gebraucht. 

Ai-S war dann nochmals eine Steigerung. Äußerlich ansonsten unverändert, haben solche Objektive eine Ausbuchtung für einen Taster in der Auflagefläche am Bajonett. Dieser teilt der entsprechend ausgestatteten Kamera damit mechanisch mit, daß es sich um ein Ai-S Objektiv handelt, wlches über eine besonders feinfühlige Blendensteuerung Verfügt. Wo  die alten Ai quasi "dumm" und höchstens in Zeitautomatik bloß die Blende auf und zu machen konnten, bis zum vorgewählten Wert, konnten Ai-S dann in Blenden und Programmautomatik genutzt werden.

Soweit die Theorie, die ich hoffentlich wenigstens ungefähr wiedergab. Im Netz findet man einiges dazu.

Nicht nur wegen der mir sehr gefälligen Optik dieser alten Gläser, sondern auch wegen deren teils hervorragendem Ruf, wollte ich schon länger eines der Objektive als 50mm haben. Endlich wurde eines in einem Forum angeboten und vor allem war es nicht nur in sehr sehr gutem Zustand, sondern auch noch auf Ai umgebaut. So würde ich es also mit der D610 sogar in Zeitautomatik verwenden können. 
Als es kam war ich schlicht begeistert, denn es war bis auf winzige Alterungsspuren wirklich in tadellosem Zustand, sowohl optisch als auch haptisch und mechanisch.
Eigentlich für die EL2 erworben, wird es aber natürlich auch gerne an der D610 Verwendung finden.

Nun möchte ich es aber einmal zeigen und ein wenig erklären. Hier zu sehen an der nicht ganz zeitgenössischen EL2, die bekanntlich schon für Ai gebaut war und mit den Hasenohren sogar nichts mehr anfangen konnte. Zeitgenössisch wären die Nikon F oder etwa die Nikkormat EL als direkte Vorgängerin der EL2:



Im Detail sieht man wunderschön die metallenen Fokus und Blendenringe, die mit den starken und griffigen Ausbuchtungen den Objektiven den Namen "Berg und Tal Objektive" gaben An diesen schönen Objektiven gibt es quasi nur Metall und Glas:




Die Hasenohren könnten abgeschraubt werden, ermöglichen so aber auch den Einsatz an noch älteren Nikon Kameras und verbleiben also. Außerdem sind sie immer noch dekorativ und lassen sofort die Nikon erkennen, denn so gab es das meines Wissens bei keinem anderen Kamerahersteller. Auf der Rückseite eingeprägt und weiß lackiert das stolze "Lens Made in Japan":



Das Fokussieren geht mechanisch übrigens genau so wie das Objektiv aussieht, nämlich exakt - aber gedämpft leichtgängig. Der Blendenring rastet exakt und mit gewünschtem leichtem Widerstand, es ist eine wirkliche Freude solch ein Objektiv zu bedienen. Ich muß nicht erwähnen, daß nichts rappelt oder klappert, ganz im Gegenteil zu meinen Series E.

Hier sieht man links am Blendenring den kleinen Taster für den Blendenindex und rechts die längere Ausbuchtung als Steuerkurve. Darunter beides nochmals in Großaufnahme. Diese zwei Teile unterscheiden also Pre Ai von Ai und somit die Möglichkeiten der Verwendung:




Das H in der Bezeichnung steht für Hexar, was eine sechslinsige Konstruktion bedeutet. Die erste Ausführung dieses Modelles hatte eine silberfarbene Fassung und keine Mehrfachvergütung. An der schwarzen Fassung meines Glases und am Buchstaben C in der Bezeichnung erkennt man die vergütete zweite Ausführung des Modelles. Und man sieht anhand der Oberfläche auch sofort, daß das top erhaltene Glas vergütet ist:


Die Lichtstärke ist komplett ausreichend, ob nun 1,8 wie an meinen anderen 50'ern oder 2,0 macht den Hasen nicht fett. Die Leistungen sind anerkannt gut, offen gibt es angeblich bloß ein wenig unschärfere Ränder und leicht geminderte Kontraste, aber schon ab 2,8 ist es eine der Toplinsen überhaupt. Berichte gibt es einige, hier eine Auswahl in Englisch (Rockwell schreibt über das H - Modell ohne C):

Ken Rockwell

Nikon Nikkor-H / HC 50mm f/2 Pre-AI Review

NIKKOR-H·C Auto 1:2 f=50mm

Nikon's Nikkor 50mm standard / normal lenses - Index Page 

Und bei Flickr gibt es eine Gruppe dazu:

Flickr_ Der Pool von Nikon Nikkor H.C AUTO 50mm F2

An der D610 sieht es natürlich etwas verloren aus, zumal mit Batteriegriff. Aber ich werde es natürlich auch damit verwenden:



Und es kann was, wie ein sofortiger offenblendiger Testshot mit der D610 zeigt. Unten ein Ausschnitt des unbearbeiteten JPEG:



Ciao

Dienstag, 17. Februar 2015

Vivitar Series 1 70-210mm f/3,5 Macro Focusing Auto Zoom

Ein langer Name für ein altes Objektiv. Ich bekam es quasi als Beifang zu einer Nikon EL2, zusammen mit einem anderen Series1 Objektiv. Auf das andere, ein 24-48mm, gehe ich an einem anderen Tag vielleicht einmal ein, das 70-210mm hat mich doch mehr beeindruckt.

Mancher kennt noch Vivitar Objektive von früher, es gab sie vor allem in den 70'er bis 80'er Jahren zuhauf. Vivitar Kameras gab es auch und gibt es auch heute noch. Auch verschiedene Objektive sind im Angebot. 
Deutlich weniger Menschen wissen wohl, daß Vivitar gar kein Hersteller ist, sondern bloß Reseller. Ähnlich wie Hanimex oder Soligor, oder früher in Deutschland etwa Porst oder Revue (Quelle), hat Vivitar immer herstellen lassen.
Es gab eine Menge heute teils wirklich grottiger Gläser, die analog damals gerade so befriedigen konnten. Das hat Vivitar mit vielen Soligor Gläsern gemein und hat Vivitar leider auch immer in der Billigecke erscheinen lassen. 

Es gab aber auch die "Serie 1" Objektive, bei denen die 1 für Erstklassig stand und die von teils sehr namhaften Herstellern für Vivitar gefertigt wurden. Kiron (Kino), Komine und Tokina stehen als Beispiele für qualitativ anerkannte und sehr renommierte Objektivhersteller als Zulieferer für Vivitar. Selbst von Olympus soll es mindestens ein zugeliefertes Exemplar geben. Entsprechend hoch waren natürlich auch die Preise.

Die Zahl der von Vivitar vertriebenen Objektive ist recht hoch und die Hersteller nicht immer einfach zu benennen. Zudem gab es über die Jahre verschiedene Versionen und Hersteller gleicher Brennweiten. 
Im amerikanischen Wikipedia Eintrag zur Firma läßt sich nähres erfahren:

Vivitar - Wikipedia 

Wenn man den Eintrag über Hersteller Kiron als Fabrikanten meiner zwei Vivitar liest, kann man leider wenig mehr erfahren:

Kiron - Wikipedia

Aber hier gibt es wieder mehr über Vivitar:

Photoscala - Vivitar 

Ken Rockwell hat sich über genau das unten gezeigte 70-210 recht positiv ausgelassen (es gibt noch eine andere Version von Tokina als Hersteller):

Ken Rockwell - Vivitar 70-210 3,5

Ich bekam das ganze Set für genau 100,- Euro. Und zwar bestehend aus einer wunderbar erhaltenen Nikon EL2, dem Vivitar Serie 1 70-210mm, einem Vivitar Serie 1 24-48mm f/3,5, einem uralten und defekten Metz Blitz, sowie einer gleichfalls uralten Kameratasche. Die Kamera ist top in Ordnung, wird lediglich demnächst neu abgedichtet. Es ist übrigens nicht die in diesem Artikel abgebildete, denn diese ist in etwas schlechterer Erhaltung (funktioniert aber tadellos). 
Das Objektiv ist zwar recht schwer, es ist aber auch wirklich vom Feinsten verarbeitet. Wer z. B. Tokinas Linsen kennt, wird sich wundern, daß es nochmals besser geht. Alles geht exakt und geschmeidig, nichts hakelt oder klemmt (beim 24-48mm mußte allerdings die Blende gängig gemacht werden). Lediglich hinter der einfach zu enfernenden Frontlinse gab es einen feinen Belag, als wenn sie dort mal beschlagen gewesen wäre. Das ließ sich sehr gut entfernen.
Für ein 70-210mm ist das Objektiv etwas größer geworden als zeitgenössisch üblich, ohne aber riesig zu sein. Es ist halt etwas krätiger gebaut und hat 67mm Filterdurchmesser wo andere 62mm haben. An der EL2 hat man damit schon etwas zu tragen. 
Lediglich auf dem metallenen Deckel gibt es äußerliche Gebrauchsspuren:


Das Objektiv hat einseitigen Zoomcreep. Wenn die Kamera nach unten hängt gleitet der Zoomring von selbst hinab, was bei einem schweren Schiebezoom kaum verwundert. Interessanterweise bleibt der gleiche Ring aber oben wenn man es aufstellt:



Rechts und links oberhalb des Blendenringes sieht man die Griffe, um das Glas in die Makrofunktion zu drehen, worauf ich gleich eingehe. Man sieht auch sofort an den typischen "Mäuseohren" (Blendenmitnehmer), daß es (auch) für Nikons der Pre-Ai Aera gedacht ist. Beim anflanschen mußte man den Mitnehmer einführen (auf Blende 5,6) und dann jeweils einmal vor und zurückdrehen, oder andersherum, so wurde der Kamera der Blendenumfang mitgeteilt:




Rechts davon und hier besser zu sehen ist der weit komfortablere Ai - Blendenmitnehmer zu sehen, das kleine dunkelmetallene und rechteckige Stück gegen das die Aussparung am Blendenring drückt:


Das Vivitar ist also für ältere wie neuere Nikon vorgesehen gewesen und stammt von daher etwa von Ende der 70'er Jahre oder eher später.
Links am Objektiv (vom Fotografen hinter der Kamera aus gesehen) ist ein weißer rechteckiger Knopf, der den Makromodus entriegelt. Dafür muß man allerdings den Zoomring ganz zur Kamera schieben und den Fokus auf Unendlich stellen. Dann kann man die zwei dicken Griffe nach links drehen:


Klingt etwas kompliziert und ist es auch, aber es funktioniert. Hier sieht man dann wie es im normalen (oben) und im Makromodus aussieht:



Alles was man in den Fotos auf dem Objektiv sieht ist Staub oder sind Schrauben oder Kanten, es gibt keine Beschädigungen. Die Gläser sind jetzt sauber, soweit man das bei einem Schiebezoom sagen kann, daß ja nicht umsonst auch Luftpumpe genannt wird:


Auch hinten überall Bestzustand und bloß am Blendenhebel sieht man, daß es überhaupt jemals gebraucht wurde:


An der D610 sieht man die Größe, die doch etwa über einem AF Nikkor 70-210mm liegt. Da kann mich aber die Erinnerung trüben, ich habe es jedenfalls kompakter in Erinnerung:


Die eigentliche Funktion des Telezoom habe ich noch gar nicht wirklich ausprobiert, mich hatte gleich der Makromodus fasziniert, denn der funktioniert wirklich. Einmal auf Makro geschaltet hat man über den ganzen Zoombereich eine Makrofunktion. Scharf gestellt wird dabei mehr durch Zoomen als durch das Drehen am Fokusring. Je weiter man nach Richtung vorne und damit gegen die 70mm schiebt, desto näher kommt man an das Motiv heran. 
Und man meint es kaum, aber es ist schon offenblendig richtig scharf. Hier Beispielfotos, mit der D610 gemacht. Nebenbei fällt übrigens ein Sahnebokeh auf und, daß es kaum Farbsäume gibt:





Hier ein Crop, der Schärfebereich ist natürlich sehr gering. Das braune ist übrigens kein Rost, sondern Verkupferung unter der Chromschicht. Jemand hatte mal versucht etwas wegzuschleifen oder wegzubürsten und hat dabei leider vorne und hinten die Chromschicht bis aufs Kupfer abgerieben:


Wie auch immer, das Vivitar ist ein erstaunliches und interessantes Glas. Offenblendig so scharf, das bekommt man nicht oft. Bei schönerem Wetter und mit Zeit werde ich die Offenblendentauglichkeit als Telezoom einmal ausprobieren. Und ich melde mich auch noch mit dem anderen Vivitar, dem 24-48mm.

Ciao

Nachtrag vom  22.02.2015:

Das andere Vivitar habe ich gestern verkauft, es paßte vom Brennweitenbereich her nicht so wie das 70-210mm.