Mein persönlicher "Blitz des Jahres" 2014: Nissin i40

Gestern kam, von Foto - Köster als derzeit günstigstem Anbieter, mein neuer kleiner Blitz, der Nissin i40.


Das Gerät ist für meine kompakte Zweit-DSLR, die Nikon D3200 gedacht, weil diese mit den großen Blitzen wie Nissin Di866 und Di700 und sowieso dem schweren Nikon SB-900 etwas überfordert ist. Sie wird kippelig, weil der Handgriff mit so einem Großgerät dann doch zu zierlich ist. 

Warum aber der Nissin i40? Alternativen in dieser Größe oder kleiner gibt es auf den ersten Blick ja eigentlich genug. Eigentlich, aber:

Nikon SB-300 und 400 sind deutlich schwächer und vor allem nicht, oder nur äußerst rudimentär über die Kamera, einstellbar. Daher auch weniger universell verwendbar und zudem bloß vertikal schwenkbar. AF - Leuchte hat keiner von beiden

Metz 24 und 36 ähnlich, wobei letzterer wenigstens eine AF - Leuchte besitzt. Sie sind zwar günstiger, aber ebenfalls nicht einstellbar und nur vertikal schwenkbar. Der deutlich fähigere und sehr gefällige Metz 44 ist leider wieder zu groß.

Der einzige andere Nissin in dieser Größe, der Di466, ist gleichfalls spärlicher ausgestattet, sowie ebenfalls bloß vertikal schwenkbar, siehe unten. Er hat gleichfalls keine AF - Leuchte. Alles andere von Nissin ist zu groß.

Die Sunpak PF30x, PZ40x und PZ42x haben ähnliche Mankos und zudem öfters Kompatibilitätsprobleme mit verschiedenen Modellen. Alle drei haben wenigstens AF - Leuchten, was den Rest aber natürlich nicht aufwiegt.

Die vielgelobten Yongnuo mag ich einfach nicht. Man bekommt sie meistens über Ebay und chinesische Importeure, nur wenige beherrschen iTTL. Garantieabwicklung und Reklamation werden oft zur Glückssache. Manchmal muß man dafür sogar nach China zurücksenden. Außen hui und innen pfui möchte ich hier nicht generell unterstellen, erlebte ich bei chinesischen Produkten aber weit öfter als bei japanischen oder europäischen. Kurz gesagt, habe ich dabei immer ein ungutes Gefühl, auch wenn das vielleicht etwas paranoid erscheint. Aber vor Wochen erst mußte ich einen 468 II zurücksenden, der an einer D3200 wirklich jedes 2 - 3 Bild stark überbelichtete, obwohl laut Anbieter absolut kompatibel zu diese. Glücklicherweise gestaltete sich die Rückgabe dank Ebay und Paypal unkompliziert, wobei ich erst versandte nachdem mir Vorab die Lieferkosten erstattet wurden!!

Der Rest der angebotenen Modelle sind allermeistens umgelabelte und teils schrecklich verarbeitete, sehr altmodisch aussehende und oft überteuerte Noname Marken. In Ebay werden sie sehr frech als SB-700 Ersatz angeboten, was sie niemals sein können. 

Oder die restlichen Hersteller haben, wie etwa Sigma, leider bloß wirklich riesige Geräte im Angebot.

Der Nissin i40 aber ist komplett anders. Bis auf die Mastersteuerung bietet er fast alles was größere und sogar professionelle Blitzgeräte ausmacht und ist trotzdem eines der kleinsten erhältlichen Geräte überhaupt: 
Er hat Leitzahl 40, dabei die Kraft von vier AA Batterien, kann verschiedene Slave Modi und drahtloses TTL - Blitzen sowie HSS Synchronisation (!!!), ist vertikal und horizontal schwenkbar, hat Einstelllicht und sogar Videoleuchte, bietet Bouncer,  herausziehbare Reflektorkarte und Streuscheibe und hat einen automatischen Motorzoom. Der offizielle Importeur "Hapa - Team" gewährt zudem als einziger eine fünfjährige und übertragbare Garantie, auf die man bei Grauimporten dann natürlich verzichten muß.

Das alles, gepaart mit den wirklich mal kompakten Ausmaßen, macht ihn für mich zum Blitz des Jahres. So viel, bei solch kleinen Ausmaßen, bietet sonst einfach kein anderer Blitz für Nikon. Ich bin wirklich beeindruckt und begeistert, was Nissin da mal eben aus dem Ärmel gezaubert hat. 

Jetzt möchte ich den Kleinen aber mal ausführlicher vorstellen. 
Wie erwähnt, ist der Blitzkopf in alle Richtungen drehbar und ermöglicht so auch bei hochkant gehaltener Kamera das indirekte Blitzen, was ein wirklich immenser vorteil ist:



Die Streuscheibe wird entgegen den Lösungen der meisten anderen Blitzgeräte unten herausgezogen und ist an stabilen Metallscharnieren befestigt:


Die Reflektorkarte läßt sich oberhalb des Kopfes herausschieben und beherbergt darunter als nettes Detail quasi eine Minianleitung für manuelles Zoomen des Reflektors:

  

Der mitgelieferte Bouncer ist richtig herum leicht aufsteckbar, arretiert dann sogar auf dem Reflektorkopf. Er erinnert so übrigens ziemlich stark an die Bouncer der Nikon SB-700 und SB-900:



Auf der Vorderseite gibt es drei recht wichtige Elemente untereinander. Über dem Logo eine zweifache Videoleuchte. Unter dem Logo dann verdeckt die AF - Hilfsleuchte. Und ganz unten die Fotozelle zum drahtlosen Auslösen:


Auf der Rückseite sieht es recht klassisch aus, weil es zwei Drehelemente gibt. Oben links der On - Taster, rechts daneben die beleuchtete Taste zur Testauslösung, die grün leuchtet wenn der Blitz fertig geladen ist und vorher rot leuchtet. Bei Standby blinkt sie grün. Darunter das Drehrad für die vielen Modi, links davon eine weiße Led als Marker. Rechts dann das Drehrad für Blitzstärke etc. mit weißen Led als Marker, je nach eingestelltem Modus rechts oder links leuchtend:



Aus Platzmangel gibt es eine Art Schnappriegel mit Knopf zum entriegeln. Man schiebt also so weit auf, bis der Stift im Gerät einrastet und drückt zum Abziehen dann den Knopf. Einfach und effektiv:


Einen soliden und verschleißarmen Metallfuß hat auch noch nicht jedes Blitzgerät, aber der i40. Hier die Steuerkontakte mit mittigem Auslösekontakt und ganz vorne der Metallstift zur Arretierung im Blitzschuh der Kamera. Metallfüße lassen sich übrigens deutlichst leichter aufschieben als die oft fummeligen und auch klemmenden Plastikfüße alter Art, die zudem auch gerne mal an den Ecken abbrechen:



Das Batterie-Akkufach hat eine stabil am Metallscharnier angeschlagene Klappe und gute Markierungen für die richtige Polung, geht allerdings für meine Begriffe sehr leichtgängig:



Angesetzt an der D3200 ergibt sich ein deutlich harmonischeres Bild als mit den weiter vor genannten großen Blitzgeräten. Das Handling ist deutlich besser und man hat trotzdem etwa fast die Blitzleistung eines Metz 48. Der hochwertige Blitz paßt optisch und funktional optimal zur D3200. Perfekt wäre es nun noch, wenn er auch die Mastersteuerung könnte, denn das können die kleinsten Nikons von sich aus bekanntlich leider nicht. Aber man kann wohl nicht alles haben und bisher hätte ich diese Funktion an der D3200 auch noch nicht gebraucht:




Vergleicht man den i40 mit dem bisherigen kleinsten Nissin, dem Di466, ist er nochmals kleiner und etwas leichter. Trotz weit größerem Ausstattungs und Funktionsumfang und höherer Leistung:






Und hier sieht man dann mal die Dimensionsunterschiede zwischen dem vergleichsweise riesigen Nissin Di700 und dem i40. Beide haben absolut ihre Daseinsberechtigung, denn manchmal hilft einfach nur Leistung:





Nach erster Verwendung kann ich die Kompatibiliät zur D3200 und D610 bestätigen und ein befreundeter Fotograf verwendet ihn an seiner DF. Der Blitz lädt recht schnell, das hatte ich z. B. am Sunpak PF30x ganz anders. 
Die Blitzfolgezeiten sind sehr schnell, wenn man dem Gerät und der Kamera hilft. Auch für schnelle Blitzfolge, primär aber zur Einbeziehung von Umgebungslicht, habe ich mir angewöhnt, mit der Kamera im manuellen Modus und mindestens bei ISO 400 zu blitzen. Das schafft natürlicheres Licht, weil das Umgebungslicht mehr einfließt und der Blitz stark runterregeln kann. Geht natürlich nur bei Digitalkameras, die dann nicht schon merklich rauschen. Aber moderne Kameras sollten da von 400 - 800 gut verwendbar sein und mehr braucht man in der Regel auch nicht. 
Das jeweilige Blitzgerät selbst stelle ich dabei fast immer auf Auto oder TTL (wenn man am Gerät selbst noch nachregeln will). Ist die Kamera dann im manuellen Modus, kann ich bei meinen Kameras normal bis 1/200sek vorwählen, und die Blende frei bestimmen. Den Rest machen Kamera und Blitz unter sich aus. Bei der D610 geht es dann im HSS Modus noch viel schneller, wohl bis 1/4000sek., bei der D7100 z. B. bis 1/8000sek. Das brauchte ich allerdings noch für keine Aufgabe.

Nach all dem Licht dann aber auch gleich mal etwas Schatten. Nicht viel, aber es fällt halt sofort auf, wenn man schon einige Blitzgeräte in der Hand hatte:

1. Das Batteriefach geht etwas zu leicht auf, weil man es dabei kaum eindrücken muß. Beim ersten Aufschieben auf meine D3200 hatte ich den Daumen dort aufgelegt und schob mit dem Gerät auf die Kamera auch gleich das Batteriefach mit auf. Jetzt weiß ich es und vermeide es, aber es wäre sicherlich auch besser lösbar gewesen.

2. Der Blitzkopf ist etwas wackelig. Man wollte den Zwerg unbedingt in alle Richtungen schwenkbar machen und brauchte gleichzeitig eine Miniaturlösung dafür. Das ist nicht zu 100% gelungen, denn es fühlt sich zwar durchaus wertig an, aber es wackelt halt. Ob es eher Schönheitsfehler als Fehlerquelle ist, wird die Zeit zeigen.

3. Das rechte Einstellrad vor allem, für die Blitzleistung etc., ist einfach zu leicht verstellbar. Da halb versenkt, ist das so wohl beabsichtigt um es überhaupt komfortabel bedienen zu können. Aber ich gehe jede Wette ein, daß es sich auch beim Herausziehen aus Taschen oder wenn man mit den Fingern drankommt, unbeabsichtigt verstellt. Etwas mehr herausstehende, aber stärker gerastete Räder, wären hier nochmal besser gewesen.

4. Leider ist er nicht zu den Coolpix P - Modellen wie den wunderbaren P7700 oder 7800 kompatibel. Laut Nissins Liste jedenfalls nicht:
Nissin Kompatibilitätsliste 
Es lohnt sich aber gewiß mit seiner Kamera zum Händler seines Vetrauens zu gehen und vor Ort einen i40 auszuprobieren, denn es steht bei Nissin nie ganz fest inwieweit das Ganze nicht harmonisiert. Vielleicht läßt sich ja tadellos indirekt und direkt Blitzen und es hapert bloß am Slavebetrieb oder anderem. Können andere Blitze dann zwar auch, haben dabei aber keinen dreh und schwenkbaren Kopf bei diesen Ausmaßen usw...

Das soll aber erstmal alles gewesen sein, was ich bisher kritisieren möchte. Ob es wirkliche Fehler sind, wird sich wohl noch zeigen, oder hoffentlich nicht.
Ansonsten: Hut ab Nissin, das ist ein starkes und äußerst brauchbares Stück Fototechnik. Für mich in der Summe aller Eigenschaften und weil ich ihn dieses Jahr entdeckte, dann auch wirklich der Blitz des Jahres 2014 und ein absolutes Highlight. Ich hatte ihn alleine von der Beschreibung her schon weiterempfohlen und bin jetzt richtig froh das getan zu haben, nachdem ich ihn selbst verwende.

Der Preis liegt momentan bei rund 150,- Euro. Da erschrickt man erstmal, wenn man ihn noch nicht kennt und sich bloß der Größe, aber nicht der Funktionen, Ausstattung und der super Verarbeitung bewußt ist. Bezieht man das aber ein und sieht auch die sehr gute Leistung von Leitzahl 40, relativiert sich der Preis aber ganz schnell auf Normalmaß oder darunter. Denn das alles so kompakt unter einen Hut zu bekommen, hat vorher noch kein Hersteller geschafft und von daher schon ist der Preis mehr als angemessen.
Mittlerweile ist er ja auch zum neuen Sony - Blitzschuh kompatibel und wird im Laufe der Zeit gerade bei den kompakten DSLR, spiegellosen Systemkameras und Kompaktkameras mit Blitzfuß gewiß für große Aufmerksamkeit sorgen. Wenn Nissin die verschiedenen Blitzprotokolle konsequent und 100% umsetzt, denn auch Nissin hatte in der Vergangenheit leidige Kompatibilitätsprobleme an verschiedenen Kameras mehrerer Marken (Nissin Di466 und vor allem Di622 an Canon, Sony und Nikon).

Ciao

Nachtrag, vom 01.09.2014

Der Nissin ist nicht vollständig zur alten Nikon D40x kompatibel. Das erstaunt, denn in der oben verlinkten Kompatibilitätsliste ist er als voll kompatibel aufgeführt. In der üblichen Arbeitsweise mit M an der Kamera und dem Blitz auf Automatik, sind die Fotos allesamt unterbelichtet. Trotz ISO 400 und 30cm Motivabstand. Außerdem wird der Autozoom nicht bedient, wobei ein Sigma AF 18-50mm 2,8-4,5 DC OS HSM angesetzt war. Weiter habe ich nicht getestet. 
Evtl. schaue ich mir das nochmal mit einem Nikkor an, weil es auch am Sigma liegen kann.

Ciao 

Nachtrag vom 28.12.2014

Der i40 ist voll kompatibel zu meinen aktuellen Nikon D3300, D90 und D610.

Ciao

Kommentare

  1. Schöner Bericht zum Blitz. Ist er immer noch im Einsatz?

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  2. Dankeschön!

    Und leider nein. Die wenigen Negativpunkte stellten sich bei mir als zu gravierend heraus. Ich meine damit, daß sich das von hinten gesehen rechte Rad vor allem, von alleine verstellt. Etwa wenn man den Blitz aus der Fototasche holt. Manchmal auch schon, wenn man mit der Jack etwa am Blitz langstreift. Das ist sehr sehr schade, denn die Relation zwischen Leistung/Einstellmöglichkeiten und geringer Größe war nahezu ideal.

    An Mft habe ich ihn ein zweites Mal versucht, hatte aber natürlich den gleichen Effekt mit dem Einstellrad. Wenn man nicht aufpasst, hat man so zunächst über oder unterbelichtete Fotos. An Mft war es dann etwas schwierig einen geeigneten Blitz zu finden, denn der Olympus FL36 ist sehr klein, aber hat unendlich erscheinende Ladezeiten. Der FL50 war dann sauschnell, aber von der Größe her eher im Bereich eines Nikon SB-900. Und so etwas will man dann nicht wirklich auf der GX8 oder E-PL8 stecken haben. Zu anderen Versuchen kam es nicht mehr, weil ich mich wg. Bildrauschens/Rauschunterdrückung und AF bei schlechterem Licht von Mft wieder trennte. Dabei hätte ich den recht teuren, aber sehr kompakten Metz M400 gerne einmal ausprobiert. Ich hoffe ich bekomme einmal ein günstiges Exemplar und kann ihn an der D5500 ausprobieren, an der mein Metz 50 AF-1 auch schon etwas überdimensioniert wirkt.

    Grüße, Henning Becker.

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